BERICHT VON DER PETITIONSÜBERGABE, 31.7.2012

Ein skurriler Radhauswandertag für die Initiative Abfallberatung

Umweltstadträtin Ulli Sima auf Tauchstation, die Presse ist mit dabei

Petitionsübergabe: Für faire und rechtskonforme Dienstverhältnise bei der MA 48


Der 31. Juli 2012 ist das Ablaufdatum unserer Werkverträge mit der MA 48. Wenn das nicht Anlass genug ist, die Presse zu einem Gespräch vor dem Rathaus einzuladen und abermals unseren Forderung nach fairen und rechtskonformen Arbeitsverträgen Nachdruck zu verleihen! Radio Wien, ORF, APA und diverse JournalistInnen von Zeitungen waren da und haben sich unsere Statements angehört. Mit Transparenten und in den T-Shirts unserer Initiative haben wir uns auch für die FotografInnen und das ORF-Kamerateam positioniert. Zwei  AbfallberaterInnen haben den Stand der Dinge sowie Beweggründe des aktuellen Arbeitskampfes für faire und rechtskonforme Arbeitsverhältnisse in der MA 48 erläutert. Auch Thomas Kerschbaum, Bundessprecher der KIV/UG hat einige deutliche Worte an die Anwesenden gerichtet.

Das anschließende Vorhaben, den ersten Zwischenstand der Unterschriften unserer Petition an Umweltstadträtin Ulli Sima zu übergeben, zeigte leider erneut äußerste Zurückweisung gegenüber unserer Initiative. Überhaupt die Petition im Rathaus abzugeben, hat sich schwieriger erwiesen als gedacht.

Das Büro Sima hat uns nicht einmal hinein gelassen. Wir haben längere Zeit mit einer Mitarbeiterin über die Gegensprechanlage diskutiert. Sie hat uns nicht aufgemacht, eine Entgegennahme des Kuverts wurde kategorisch abgelehnt. Eine Postannahme sein grundsätzlich nur nach Terminvereinbarung möglich... (Wir haben uns übrigens in der Vorwoche angekündigt.) Schön war, dass zu diesem Moment weiterhin JounalistInnen und auch das ORF-Kamerateam dabei waren...

Nächster Versuch: Das Büro von Personalstadträtin Frauenberger hat nochmals im Büro Sima interveniert – vergebens. Währenddessen hat uns jemand die Rathauswache geschickt, eine Mitarbeiterin aus dem Büro Frauenberger diese allerdings wieder abgewunken. Das Büro Frauenberger nimmt die Petition letztlich ebenfalls nicht entgegen und empfiehlt eine Abgabe an der Portierloge. Der Portier kann keine Bestätigung ausstellen für den Erhalt der Unterschriften und verweist schließlich und auf die zentrale Posteinlaufstelle auf der anderen Straßenseite. Aber dann: Nach eineinhalb Stunden Rathauswandertag haben wir die 1744 Unterschriften schließlich abgegeben und eine – selbst verfasste, von der Poststelle abgestempelte – Übergabebestätigung in der Hand.

Zwei Rathauswachen waren uns zu diesem Zeitpunkt noch immer auf den Fersen. So ein Trara... Der heutige Vormittag hätte nicht spannender und skurriler sein können! Er hatte kafkaeske Züge an sich, ein denkwürdiger Tag für die Initiative Abfallberatung ;)

(Bericht der Initiative Abfallberatung Wien von der Petitionsabgabe am 31. Juli 2012)

Petition: Für faire und rechtskonforme Arbeitsverträge bei der MA48!

Fotos von Pressegespräch und Petitionsabgabe

VIDEO VOM AKTIONSTAG AM 30.07.2012

Hier noch ein Gustostückerl gefilmt von Renate Sassmann (AUGE/UG, wientv.org) - vielen Dank Renate! Auch vielen Dank an alle, die uns unterstützt und geholfen haben: KIV/UG, PrekärCafé und Maracatu Novo Toque!


BERICHT VOM AKTIONSTAG, 30.7.2012

Wir sind laut, kreativ und auf der Straße!

Aktionstag mit PrekärKasperl, brasilianischer Percussion und Lesung


Im Countdown bis zum Auslaufen unserer Werkverträge mit Ende Juli 2012 als AbfallberaterInnen mit Umgehungsverträgen bei der Stadt Wien haben wir am 30. Juli einen Aktionstag gestaltet. Mit verschiedenen Programmpunkten wollten wir den Kern unserer Tätigkeiten als AbfallberaterInnen vermitteln und haben Tipps und Tricks zu Müllvermeidung und Mülltrennung zum Besten gegeben. Zudem stand selbstverständlich auch unsere prekäre Lage nach jahrelanger Scheinselbständigkeit bei der Stadt Wien und unser daraus resultierender Arbeitskampf für faire und rechtskonforme Arbeitsverhältnisse im Fokus unserer ganztägigen Aktivitäten.

Schon während wir mit dem Aufbau unseres Infostandes vor dem Museumsquartier an der Ecke zur Maria Hilfe Straße beschäftigt waren, sprachen uns PassantInnen an, und die erste JournalistInnen baten um Interviews. Ein reges Interesse für unseren auffälligen Infostand, die ansprechenden Programmpunkte und die dabei vermittelten Inhalte riss den ganzen Tag über nicht ab. Durch Schilderungen über unsere eigene Arbeitssituation, unsere Selbstorganisierung und unsere Forderungen kamen wir auch immer wieder mit PassantInnen ins Gespräch über ihre eigenen Erfahrungen und Missstände am Arbeitsplatz und ernteten eine Menge Solidaritätsbekundungen. Aber nicht nur Erwachsene waren interessiert.

Gleich zu Beginn konnten wir uns über den Besuch einer rund zwanzigköpfigen Kindergruppe freuen, die  gekommen war, um den Müllkasperl – unseren ersten Programmpunkt am Aktionstag – zu erleben. Nach einem kurzen Mülltrennspiel, bei dem nach einer einführenden Erläuterung durch einen Abfallberater, alle Kinder selbst ausprobieren konnten, Müll in die richtige Altstoffsammelbox zu sortieren, tauchten allmählich Kasperl und Pezi auf. Insgesamt spielten wir am Aktionstag dreimal unser selbsgeschriebenes PrekärKasperl-Stück und brachten Kinder wie Erwachsene zum Schmunzeln – auch über unsere bisherigen Erlebnisse im Arbeitskampf.

Mit einer Lesung aus dem eben erschienen Buch „Der weite Weg zum Wasserspender“ von unserem Kollegen, dem Abfallberater Florian Illichmann-Rajchl, kamen erneut prekäre Arbeitsverhältnisse aufs Tapet. In seinem Roman beschreibt der Autor am Beispiel eines schlecht bezahlten Jobs in einer Medienagentur, was Arbeiten bedeutet, wenn der Mitarbeiter nicht zählt.

Ein besonderer Publikumsmagnet am Nachmittag war eine Percussion der Gruppe Novo Toque, die mit maracatu-Rhytmen aus Brasilien begeisterte. Auch bei diesem Auftritt waren AbfallberaterInnen selbst involviert uns informierten in kurzen Pausen zwischendurch über den Anlass ihres Auftritts am Aktionstag der Initiative Abfallberatung.

Insgesamt können wir von einem erfolgreichen Tag sprechen, in den wir unsere fachlichen, kommunikativen und kreativen Kompetenzen gesteckt haben. Wir konnten allein an diesem Tag 508 weitere Unterschriften für unsere Petition an Umweltstadträtin Ulli Sima sammeln, standen den ganzen Tag für Fragen zur Verfügung und sind mit unseren Anliegen – seien es Müllvermeidung und -trennung, seien es unsere Forderungen im Arbeitskampf mit der Stadt Wien – auf viele weitere interessierte Ohren gestoßen.


(Bericht der Initiative Abfallberatung Wien vom Aktionstag am 30. Juli 2012)

Video vom Aktionstag

Fotos vom Aktionstag (facebook)

Die ersten Eindrücke vom AKTIONSTAG am 30.07.2012



















AKTIONSTAG am 30.07.2012

Tag der Abfallberatung! Montag 30. Juli 2012 von 10 bis 17 Uhr

Tipps und Tricks zu Müllvermeidung & gegen Scheinselbständigkeit bei der MA48.
Ort: Museumsplatz Ecke Mariahilfer Straße, 1070 Wien. Programm und mehr Info ...

PREKÄR KASPERL


PREKÄR KASPERL by Abfallberatung Wien on Vimeo.
PrekärKasperl: Liebe Kinder, liebe Leute mit Scheinselbständigkeit ist Schluss ab heute!
Die Initiative Abfallberatung lädt ein zum AKTIONSTAG: Montag 30. Juli 2012 von 10 bis 17 Uhr, Museumsquartier Ecke Mariahilfer Straße, 1070 Wien.

Auch Kasperl und Pezi sind mit dabei. Im Video erklärt Kasperl schon jetzt die aktuelle Situation der AbfallberaterInnen. Denn warum Arbeitsrechte bei der Stadt Wien nicht gelten, kann auch Pezi nicht verstehen. Im Video flippt er aus: „Was machen wir denn jetzt?! Wir sind doch wichtige BeraterInnen für die Stadt!“

Augustin, Nr. 325, 25.7.-21.8.2012

Arbeitskampf.
Die Gemeinde Wien hat eine arbeitsrechtliche Sommerbaustelle zu bewältigen


Eine gar nicht so kleine Gruppe von Abfallberater_innen hat genug davon, sich mit schlechten Verträgen abspeisen zu lassen. Den Müllkasperl kann ab jetzt wer anderer spielen. Und der Arbeitskampf beginnt. (...) Auf die Frage nach einem Interview [Anm.: an Umweltstadträtin Ulli Sima] kommt eine abschlägige Antwort, sie wollen die Probleme "nicht über die Öffentlichkeit" austragen. Das glaubt mensch gerne angesichts des Schlamassels. "Keine Kleinigkeit" nennt eine aktuelle MA48-Kampagne den Dreck, den die Wiener_innen und ihre Hunde produzieren. Der hausinterne Mist dürfte allerdings auch größer geraten sein als geplant.

GBW Wien web journal vom 24.07.2012


„Wir sind keine Wegwerfartikel!“ – Abfallberater*innen organisieren sich.

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"Wir Abfallberater*innen wollen ein Teil dieser großen Abteilung der Stadt Wien mit über 3.500 Bediensteten sein. Aber eben unter gleichberechtigten, fairen Bedingungen!", fordert die Initiative Abfallberatung.

Wiener Abfallberatung? Vom Misttelefon bis zum Müllkasperl.

Seit dem Ende der 1980er-Jahre beraten die Wiener Abfallberater*innen die Bevölkerung und bilden somit die Hauptschnittstelle zwischen der Magistratsabteilung für Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) und den Wiener*innen. Je 150.000 Einwohner*innen gibt es eine*n Abfallberater*in. Die etwa 35 bestens ausgebildeten Abfallberater*innen erbringen jährlich mehr als 30.000 Beratungsstunden. Sie nehmen Anrufe am Misttelefon entgegen, treten mittels mobiler Abfallberatung mit Bürger*innen in Kontakt und veranstalten Schulwettbewerbe mit den Volksschulen und Rundfahrten zu den Anlagen der MA 48. Dabei werden unterschiedlichste Fragen beantwortet, wie "Wozu Mülltrennen? Wird nicht alles wieder zusammen geschmissen." oder "Werden gesammelte Plastikflaschen in der Müllverbrennungsanlage verheizt?".
Jährlich nutzen an die 70.000 Anrufer*innen das Service des Misttelefons, womit die Abfallberatung der Stadt für die Wiener Bevölkerung nahezu unentbehrlich ist. Bei ständig steigenden Müllmengen verlangen die Wiener*innen nach Informationen über Mülltrennung, Recycling und Umweltschutz. mehr...

ceiberweiber.at vom 24.07.2012

Wien entsorgt AbfallberaterInnen

Werkverträge "gekündigt", weil die AbfallberaterInnen wie andere ArbeitnehmerInnen behandelt werden wollen. (...) Die BeraterInnen hatten selbst mit einem Abteilungsleiter zu tun, der ihnen mitteilte, dass er von ihnen "persönlich enttäuscht" sei...

So gibt sich die MA48 (Regenbogenparade 2011)
... Sie sollten auf ihre Forderung nach einem festen Arbeitsverhältnis verzichten - dann hätten sie auch wieder eine Chance, den Beruf auszuüben, dem sie Jahre voller Engagement widmeten. Man fragt sich natürlich, ob die (rote) Stadt Wien auch so verständnislos reagieren würde, wenn sich prekär Beschäftigte in der Privatwirtschaft zusammentun. Vielleicht auch kein Zufall, dass es sich überwiegend um Frauen handelt - die bei der auch für Personal zuständigen Frauenstadträtin Sandra Frauenberger ebenfalls kein offenes Ohr für ihre Anliegen haben....  mehr....

Ö1-Nachtquatier vom 20.07.2012

Die Presse vom 18.07.2012

Abfallberater fordern Stadt Wien heraus

17.07.2012 | 18:29 |  EVA WINROITHER (Die Presse)
Die Wiener Abfallberater wollen nicht mehr in einem prekären Beschäftigungsverhältnis stehen und fordern eine feste Anstellung. Die Situation ist schon länger bekannt, zugespitzt hat sie sich Anfang des Jahres.


Sie sind dort, wo hinsichtlich leerer Flaschen, Plastikmülls und Lebensmittelabfälle Erklärungen benötigt werden: in Volksschulen, auf Kinderspielplätzen und manchmal auch am Misttelefon. Seit den 1980er-Jahren informieren die „Abfallberater“ im Auftrag der Stadt Wien über den richtigen Umgang mit Müll.
Nun fühlen sich die 31 Männer und Frauen selbst wie „Mist“ behandelt: Sie wehren sich gegen ihr prekäres Beschäftigungsverhältnis. „Wir arbeiten auf Basis von Werkverträgen, die unserer Meinung nach keine sind. Wir haben fixe Arbeitszeiten, dürfen unsere Arbeit nicht delegieren und sind wirtschaftlich von der Stadt Wien abhängig“, sagt Abfallberaterin Anna Brem (Name geändert), die seit Jahren in diesem Beruf tätig ist. Jetzt fordern die Abfallberater eine Anstellung.
Die Situation ist schon länger bekannt, zugespitzt hat sie sich Anfang des Jahres. Anders als bisher wurden die Werkverträge nicht um ein Jahr, sondern nur um wenige Monate verlängert, Ende Juli laufen sie ganz aus.

Verträge nur für zehn Mitarbeiter

Zeitgleich wurden zehn Mitarbeitern fixe Verträge angeboten, der Rest sollte weiterhin auf Basis von Werkverträgen arbeiten. „Ein Witz“, wie Brem findet. Auch weil in den Verträgen weder die Vordienstzeiten noch die Ausbildung der Abfallberater (von denen viele Akademiker sind) einbezogen worden seien. In einem (mittlerweile öffentlich gemachten) Schreiben an die Stadt haben die Abfallberater versucht, auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die daraufhin angebotenen Einzelgespräche wurden von den Abfallberatern aber abgelehnt – man wolle nur als Gruppe sprechen. mehr....

DerStandard Printausgabe vom 17.07.2012

derstandard.at vom 16.07.2012


Die Arbeiterkammer ortet in Österreich 30.000 Scheinselbstständige, von frei erwählt und echter Selbstständigkeit weit entfernt

Wien - Sie arbeiten teils seit mehr als zehn Jahren als Abfallberater für die Stadt Wien. Alle Aufträge kamen über die Magistratsabteilung 48, sie bestreiten damit ihren Lebensunterhalt. Seit Juli ist damit jedoch Schluss: 26 Beschäftigte wurden von ihren Terminen in Schulklassen wie in Gewerbebetrieben abgezogen. Weil sie es wagten, erzählen sie, sich gegen ihre zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnisse in offenen Briefen zu wehren.
Sie arbeiteten auf Basis von Werkverträgen, die heuer auf lediglich drei Monate befristet wurden. Zehn Beratern wurden zuletzt zwar Anstellungen angeboten, allerdings ohne dabei Ausbildung oder Vordienstzeiten anzurechnen. Die übrigen fühlen sich von der MA48 entsorgt und über Jahre um ordentliche Dienstverhältnisse gebracht, resümiert eine Betroffene im Gespräch mit dem Standard.
Alice Kundtner ist laufend mit Fällen wie diesen konfrontiert. Von einer frei erwählten, echten Selbstständigkeit sei vielfach keine Rede mehr, sagt die Leiterin der Abteilung Soziales in der Arbeiterkammer. Sie spricht von rund 30.000 Scheinselbstständigen in Österreich: Menschen, die ein Recht auf Anstellungen haben, von ihren Arbeitgebern jedoch zumeist aus Kostengründen ins Unternehmertum gedrängt werden - mit all den damit verbundenen Rahmenbedingungen: von unsicherem Einkommen über selbst abzuführende Sozialversicherungsbeiträge bis hin zu geringerem Wochengeld in der Karenz und hohen Selbstbehalten bei Arztbesuchen. mehr....

derstandard.at 12.07.2012

"Kettenverträge": Abfallberater der Stadt Wien wehren sich

Bianca Blei, 12. Juli 2012, 15:32
Die AbfallberaterInnen wollen keine "48er-Wegwerfartikel" sein.

Betroffene fordern in einem offenen Brief Anstellungen statt befristeter Werkverträge

Zeitlich begrenzte Werkverträge, kein gesichertes Einkommen und teilweise Willkür bei der Vergabe von Aufträgen: Die Beschäftigungssituation der AbfallberaterInnen der Stadt Wien ist prekär. Nun steigt der Großteil der 31 Personen, die in der Abteilung der MA 48 tätig sind, auf die Barrikaden. In einem offenen Brief an die politischen Verantwortlichen der Stadtregierung, der Gewerkschaft und des Magistrats fordern sie faire Verhältnisse und eine Anstellung.
Seit der Einführung der Mülltrennung in den 1980er Jahren gibt es in Wien die Abfallberatung. Die MitarbeiterInnen der Abteilung bieten Workshops für Schulklassen und Gruppen an, betreuen Informationsstände des Magistrats und beantworten am Misttelefon Fragen der BürgerInnen. Nach dem Wiener Abfallwirtschaftsgesetz ist die Existenz der Abteilung für die Stadt Wien verpflichtend. Doch nicht alle gesetzlichen Vorgaben werden bei den AbfallberaterInnen erfüllt. mehr...

Alternative Juli/August 2012

Die Alternative

Die Monatszeitschrift der Unabhängigen GewerkschafterInn


Artikel über INITIATIVE ABFALLBERATUNG WIEN

derfunke vom 10.07.2012


Solidarität mit den AbfallberaterInnen!

Die Wiener Abfallberatung besteht seit über 20 Jahren. Eine Abteilung, die in einer rot-grünen Stadtregierung gut gefördert und unterstützt wird – oder nicht?
Die 26 AbfallberaterInnen arbeiten aber nicht in einem Dienstverhältnis für die Stadt Wien, sondern auf Werkvertragsbasis mit Gewerbeschein. Durch die Selbständigkeit haben sie sehr viele Nachteile, wie zum Beispiel kein 13. und 14. Monatsgehalt, keine soziale Absicherung im Krankheitsfall oder im Falle der Arbeitslosigkeit. Sie müssen sich von dem Einkommen selbst kranken- und pensionsversichern und auch selbst Einkommenssteuer abführen. Sie haben sehr unregelmäßiges Einkommen und ebenso gelten für sie als "WerkvertragsnehmerInnen" keine Regelungen, wenn es darum geht, sie als ArbeitnehmerInnen zu schützen. mehr...

AbfallberaterInnen in Wien


Wir Abfallberater/Innen arbeiten unter prekären Bedingungen für die MA 48.

Wir fordern faire Dienstverträge und fairen Lohn!

Worum es uns geht und warum ausgerechnet jetzt…?!

Die Wiener Abfallberatung besteht seit über 20 Jahren. Wir sind die Hauptschnittstelle zwischen der MA 48 und der Wiener Bevölkerung. Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung hinsichtlich der richtigen Mülltrennung, Recycling und Umweltschutz zu informieren. Unsere Tätigkeiten reichen vom Misttelefon (ca 70000 Anrufe pro Jahr), über den Mistkasperl hin zu Unterrichtsstunden, Betreuung von Infoständen und Geschirrwaschen bei Veranstaltungen, Führungen von internationalen Fachdelegationen durch die Betriebsstätten der MA 48, usw.

Wir - die Initiative Abfallberatung - sind eine Gruppe von 26 AbfallberaterInnen, arbeiten aber nicht in einem Angestelltenverhältnis für die Stadt Wien, sondern auf Werkvertragsbasis mit Gewerbeschein. Die MA 48 lässt uns seit vielen Jahren auf Werkvertragsbasis als Selbständige (mit Gewerbeschein) arbeiten. Die Verträge, die wir mit der MA 48 haben, entsprechen jedoch nicht einem fairen Vertragsverhältnis, eigentlich sollten wir alle angestellt sein. Unsere Werkverträge weisen auf eine Umgehung eines regulären Dienstverhältnisses zur Stadt Wien hin - sind wir doch in die Organisation der MA 48 eingebunden - und da wir sie immer wieder befristet bekommen haben könnte es sich sogar um sogenannte „Ketten-Dienstverhältnisse“ handeln. Doch das wird derzeit auch rechtlich überprüft mit Hilfe und Unterstützung durch unsere Gewerkschaft, der GdG-KMSfB, der wir fast alle geschlossen beigetreten sind.

Durch die Selbständigkeit haben wir sehr viele Nachteile, wie zum Beispiel kein 13. und 14. Monatsgehalt, keine soziale Absicherung im Krankheitsfall oder wenn wir arbeitslos werden sollten. Wir müssen uns von unserem Einkommen selbst kranken- und pensionsversichern und auch selbst Einkommenssteuer abführen. Wir haben sehr unregelmäßiges Einkommen und manchmal sind wir ziemlich ratlos, wie wir unsere laufenden Rechnungen bezahlen sollen. Ebenso gelten für uns als "Werkvertragsnehmer" keine Regelungen, wenn es darum geht, uns als ArbeitnehmerInnen zu schützen - so kommt es vor, dass wir manchmal über 100 Stunden pro Woche arbeiten oder fast 24 Stunden ohne Pause.

Jahrelang haben wir uns das gefallen lassen, weil wir den Job trotzdem lieben und es als sehr wichtig erachten, der Wiener Bevölkerung (vor allem Kindern und Jugendlichen) erklären zu dürfen, wie Recycling und Umweltschutz funktioniert.

Nun will die MA 48 26 AbfallberaterInnen nur mehr so wenige Stunden im Monat und weiterhin auf Werkvertragsbasis arbeiten lassen, sodass wir dadurch gezwungen würden, "freiwillig" diese Arbeit aufzugeben. Im Juli 2012 haben wir bis jetzt gar keine Aufträge angeboten bekommen. 5 AbfallberaterInnen sollen zu schlechten Bedingungen mit sehr wenig Bezahlung angestellt werden, ohne Anrechnung der Vordienstzeiten und der Ausbildung.

26 engagierte Leute stehen nun am Rande des beruflichen Nichts, natürlich -  wegen der Selbständigkeit -auch ohne Arbeitslosenversicherung!

Seit ein paar Wochen versuchen wir, mittels Gewerkschaft, Politik und Gesprächen mit der MA 48 zu verhandeln, die Leitung der MA 48 ist allerdings zu keinem Zugeständnis bereit. Sie schlagen uns Einzelgespräche vor, in denen ihre bisherigen Ankündigungen noch mal vorgestellt werden. Wir wünschen uns eine korrekte Lösung für alle, die niemanden von uns arbeitslos macht. Die MA 48 und das zuständige Stadtratbüro verweigert uns dies bis dato beharrlich.

Wir wenden uns an dich, weil...

Wir versuchen mit verschiedenen Aktionen Aufmerksamkeit und Unterstützung zu bekommen. Wir AbfallberaterInnen wollen - wie es und zusteht - ein Teil dieser großen Abteilung der Stadt Wien mit über 3500 Bediensteten sein. Aber eben unter gleichberechtigten, fairen Bedingungen! Uns als Gruppe der AbfallberaterInnen wäre es natürlich lieber, gemeinsam mit der Leitung der MA 48 eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Vielleicht gelingt das, wenn wir den öffentlichen Druck auf unserer Seite haben ...

Wir fordern für die Wiener AbfallberaterInnen:
- soziale Absicherung
- faire Dienstverhältnisse
- faire Entlohnung

Wir brauchen Deine Unterstützung, denn "wir bleiben lieber stehen!"

Verbreite unsere Botschaft und unterstützte uns via Facebook:

Unterstütze unsere Petition an Umweltstadträtin Mag.a Ulli Sima mit Deiner Unterschrift: http://www.petitiononline.at/petition/die-initiative-fuer-faire-rechtskonforme-arbeitsbedingungen-bei-der-ma48/299

Schreib uns eine Solidaritätsbotschaft für unseren Blog an:

NEWS.AT: Artikel vom 3.07.2012



NEWS.AT: Artikel vom 3. Juli 2012

Bei der Wiener Abfallberatung, einer Teilorganisation der MA48 bahnt sich ein Arbeitskonflikt an. Mitarbeiter haben Protestmaßnahmen ergriffen und fordern fairere Arbeitsbedingungen.
Die Wiener Abfallberatung betreut das so genannte Misttelefon, betreibt Aufklärungsarbeit, leistet Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit und nimmt noch zahlreiche andere Aufgaben wahr. Die mittels Gewerbeschein beschäftigten Mitarbeiter der Abfallberatung sind mit ihren Arbeitsbedingungen allerdings nicht zufrieden und fordern eine Änderung. Um das zu erreichen haben sie Protestmaßnahmen ergriffen.mehr...

Erster Artikel zu unserem Thema von K'i'V/UG


AbfallberaterInnen brauchen Solidarität

Sonst werden sie selbst zum "Wegwerfartikel".
Vor einiger Zeit ist uns zu Ohren gekommen, dass die AbfallberaterInnen der Stadt Wien - MA 48 seit Jahren auf Grundlage von jährlich wiederkehrenden, befristeten Werkverträgen, die offensichtlich eine Umgehung regulärer Dienstverhältnisse darstellen, tätig sind. Durch angeblich notwendige Umstrukturierungen sollen nun nur mehr 10 der 31 betroffenen KollegInnen im Rahmen von Dienstverträgen im "ArbeiterInnen-Schema" der Stadt Wien (ohne Anrechnung von Vordienstzeiten und Zulagen) und die restlichen KollegInnen weiterhin auf Werkvertragsbasis mit massiven Stunden- und Einkommensverlusten weiterbeschäftigt werden. Die KollegInnen haben sich daraufhin - auch gewerkschaftlich - organisiert und treten gemeinsam für faire und korrekte Arbeits- und Gehaltsbedingungen für alle ein!
Abfallberatung - what's that?
"Der beste Abfall ist der, der gar nicht entsteht: die Forcierung der Abfallvermeidung ist daher ein Hauptanliegen der MA 48",
heißt es auf der Homepage der Stadt Wien zum Bereich Abfallberatung und -Vermeidung. Zu diesem Zweck gibt es in Österreich seit Mitte der 1980er-Jahre die Mülltrennung und da das ohne die Mithilfe der Bevölkerung nicht umsetzbar gewesen wäre seit Ende der 1980er-Jahre in Wien die Abfallberatung. Mittels Kampagnen, Projekte und offensive Öffentlichkeits- und Beratungsarbeit sollten Abfallvermeidung und richtige Mülltrennung verständlich gemacht werden (MA 48).
Diese Aufgaben führt für die Stadt Wien die Abfallberatung mit "ihren" AbfallberaterInnen durch!
Vor einiger Zeit wendeten sich die AbfallberaterInnen von Wien mittels Brief an ihre zuständigen Vorgesetzten und Abteilungsleitung, an die politisch Verantwortlichen in der Wiener Stadtregierung, an die zuständige Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG-KMSfB) und auch an uns in der Konsequenten Interessenvertretung (KIV/UG), um einerseits auf ihre Situation aufmerksam zu machen und andererseits um Gespräche und Unterstützung zu drei wesentlichen Forderungen zu bitten:
  1. Soziale Absicherung
  2. Legale Dienstverhältnisse
  3. Faire Entlohnung
Befristete Werkverträge als "Umgehungsverträge"?
Dadurch wurde uns bekannt, dass die AbfallberaterInnen seit mehr als 10 Jahren auf Basis von jährlich wiederkehrenden, befristeten Werkverträgen als "Selbständige" mit Gewerbeschein für die MA 48 tätig sind. Ihre vielseitigen und für die Umwelt und Abfallwirtschaft der Stadt Wien wichtigen Tätigkeiten - z.B. Misttelefon, Erarbeitung von Projekten und Kampagnen, Vorträge an Schulen und Kindergärten, Führungen im Bereich der Abfallwirtschaft, Öffentlichkeitsarbeit bei diversen öffentlichen Festen und Veranstaltungen sowie das sg. "Geschirrmobil" oder der "Müllkasperl" und vieles mehr - wiesen für uns aus arbeitsrechtlicher Sicht darauf hin, dass es sich hier um eine Umgehung regulärer Dienstverhältnisse zur Stadt Wien handelt. Sind die KollegInnen doch im hohen Maße in die Organisation der MA 48 eingebunden - beispielsweise durch vorgegebene Dienstzeiten, Einbindung in den Betrieb mit betriebseigenen Arbeitsmitteln, Weisungen durch Vorgesetzte, die sie jederzeit auch von Diensten abziehen oder anders einteilen können, usw.
Auch die jährlich immer wieder kehrenden Befristungen ihrer Verträge wiesen auf eine Umgehung der rechtlichen Grundlagen bzgl. der EU-Richtlinie über befristete Arbeitsverträge hin, welche regelt, dass befristete Beschäftigungsverhältnisse nur eingeschränkt anwendbar sind und einer genauen Überprüfung hinsichtlich der sachlichen Begründung und der Anzahl der hintereinander abgeschlossenen Arbeitsverträge Stand halten müssen.
Hinzu kommt, dass das Einkommen aus dieser Tätigkeit für die meisten betroffenen KollegInnen ihre Existenzgrundlage darstellt - sie also von diesen "Aufträgen" in höchstem Maße abhängig sind!

"Warum kommt Ihr erst jetzt?"

Diese Frage wurde den KollegInnen von einigen Seiten mehr oder weniger "nett" gestellt. Doch kann man von niemanden erwarten, dass er damit rechnet die Stadt Wien beschäftige ihn auf eine rechtlich nicht konforme Weise. Wenn man seine Arbeit gern, engagiert und motiviert tut und die Gesprächsbasis und Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von gegenseitigem Respekt getragen ist (übrigens egal bei welchem Arbeitgeber), sieht man oft selbst über Dinge, die vielleicht stutzig machen würden, hinweg - wer das in seiner Arbeit noch nie erlebt hat, der werfe den ersten Stein! Trotzdem ärgerte es viele der KollegInnen natürlich schon geraume Zeit, dass sie kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekamen, dass sie keinen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub oder Krankenstandstage hatten, dass sie viele Leistungen, welche regulär Beschäftigten rechtlich einfach zustehen, nicht bekommen. Da arbeitete man halt dann soviel, dass man sich das Leben nach eigenen Abzug von Einkommenssteuern, Sozial-, Kranken- und Unfallversicherung und Kosten für die Steuerberatung etc., noch leisten konnte! Und manche hofften natürlich auf eine fixe Anstellung oder einen leichteren Zugang zu einer anderen Stadt-Wien-Beschäftigung irgendwann…

Soviel zum respektvollen Umgang ...

Durch "angebliche" Umstrukturierungen in der Abteilung, die zunächst nur kryptisch angekündigt wurden, dann mit Ende letzten Jahres darin gipfelten, dass auf einmal nur mehr Werkverträge befristet bis Ende März und einer dann weiter erfolgten Befristung bis Ende Juli vorgelegt wurden, bis letztlich im März 2012 auf einmal 10 von den betroffenen 31 KollegInnen Dienstverhältnisse bei der Stadt Wien angeboten bekommen haben.
"Ist doch schön!", möge man jetzt denken. Weit gefehlt, sieht man sich die Bedingungen an, unter denen die 10 KollegInnen dann weiter arbeiten sollen und sieht man davon ab, dass die restlichen 21 KollegInnen ihre Existenzgrundlage verlieren und ihre monatlichen Stunden weiterhin auf Werkvertragsbasis leisten sollen, die im Gegenzug massiv verkürzt werden.
Die betroffenen AbfallberaterInnen sollen nämlich im sg. "ArbeiterInnen-Schema" ohne Zulagen und ohne Vordienstzeitenanrechung eingereiht werden, was massive Einkommensverluste bedeuten würde. Außerdem haben die KollegInnen alle universitäre bzw. facheinschlägige Ausbildungen und sind als multiprofessionelles Team für die Abfallberatung in Wien tätig, was mindestens eine Einreihung in das "Angestellten-Schema" voraussetzen würde!

... obwohl das Renommee für die Stadt Wien durch Auszeichnungen schon wichtig ist!

Einige KollegInnen wurden schon mehrmals für Projekte, welche sie für die MA 48 - Abfallberatung entwickelt und durchgeführt haben, mit dem Titel "AbfallberaterIn des Jahres" ausgezeichnet, was ein beachtliches Renommee für die Stadt Wien bedeutet:
Die ARA - Altstoff Recycling Austria AG - vergibt seit 15 Jahren gemeinsam mit dem Magazin Umweltschutz diesen Preis für die besten Projekte und Aktion von AbfallberaterInnen in ganz Österreich.
"Die AbfallberaterInnen leisten mit ihrem Einsatz einen unschätzbaren Beitrag dazu, die Bevölkerung für die Themen Abfallvermeidung und Ressourcenschonung zu sensibilisieren. Durch konkrete Aktionen schaffen sie Vorzeigebeispiele, wie jeder von uns aktiv werden kann. Allein durch die getrennte Verpackungssammlung kann jeder mithelfen, dass aus Abfällen durch Recycling wieder Rohstoffe werden", erläutert ARA Vorstand Werner Knausz und würdigt das Engagement der AbfallberaterInnen: "Mit der Auszeichnung bedanken wir uns für die großartige Arbeit, die die AbfallberaterInnen Jahr für Jahr leisten."
(zitiert aus ARA-Homepage)
So wurden heuer zwei der betroffenen AbfallberaterInnen in Wien für ihr Projekt "Rent a AbfallberaterIn / Einkaufshilfeprojekt für den ultimativen Shoppingdurchblick" mit dem ersten Platz in der Wertung für Zukunftsprojekte ausgezeichnet, bei dem sich AbfallberaterInnen im Supermarkt als Shoppingagents anbieten und die Menschen bei ihren Einkäufen in Hinblick auf Umweltaspekte beraten. 2009 bekam "die MA 48" außerdem Gold und Silber für die gezielte Ansprache der Zielgruppe "Multiplikatoren" und die kreative Projekt-Umsetzung. Das Siegerprojekt "A wie Abfall" (Der "Mama lernt Deutsch"-Abfallworkshop) basierte auf der Idee, in Abfallworkshops Migrantinnen mit den Möglichkeiten der Abfallvermeidung und mit der getrennten Sammlung von Verpackungen vertraut zu machen. Auch der Ansatz, virtuelle Plattformen wie "Facebook" dafür zu nutzen, gesellschaftlich relevante Abfallthemen am Puls der Zeit an Jugendliche heranzutragen, brachte der MA 48 mit zwei AbfallberaterInnen 2009 den 2. Platz für die Community "Mist! Die Tonne spricht …" unter dem Pseudonym "Mist Tonne"- Vermeidungs- oder Trenntipps von einem "sprechenden Müllorakel" gepostet, ein.

"Das muss der Politik doch auch faire Arbeitsbedingungen wert sein?"

Aber nein, offensichtlich nicht. Es gab einen gemeinsamen Gesprächstermin mit den Verantwortlichen der Abteilung in dem die KollegInnen ihre Situation darstellten und um Verhandlungen für faire Arbeitsbedingungen für alle gebeten haben, jedoch bisher ohne Erfolg. Die Bitte für einen gemeinsamen Verhandlungstermin wurde abgelehnt und stattdessen wird die Strategie von Einzelgesprächen verfolgt, wobei den KollegInnen nach wie vor lediglich das Angebot eines Dienstvertrages im "ArbeiterInnen-Schema" gemacht wird nach dem Motto "friss oder stirb!" Aktuell reagieren die Vorgesetzten bzw. Abteilungsverantwortlichen mit Abzug von eigentlich bereits vereinbarten Diensten bzw. haben Jour-Fixe vorgesehen sind, kurzfristig abgesagt. Dass dies für die betroffenen KollegInnen unmittelbare und Existenz bedrohende Einkommensverluste bedeutet, muss wohl nicht näher erläutert werden!

KollegInnen haben sich auch gewerkschaftlich organisiert

24 von 31 der KollegInnen sind im Zuge ihrer gemeinsamen Initiative der GdG-KMSfB beigetreten und unsere Gewerkschaftsführung, mit der es auch schon Gespräche gab, unterstützt die KollegInnen und schreckt auch vor der Ergreifung von drastischeren Mitteln hinsichtlich der offensichtlich nicht rechtskonformen "Umgehungsverträge" nicht zurück. Jedoch wollen die KollegInnen, die Ihre Arbeit sehr gerne und mit viel Herz und Engagement für die MA 48 ausüben, ja weiter beschäftigt werden und nichts unversucht lassen!

Aus meiner Sicht

"Kommunikation und Information sind die Grundpfeiler für die Motivation von Menschen." schreibt die MA 48 zum Thema Abfallberatung auf ihrer Website. Ich frage mich, warum die Abteilung und die Stadt Wien, denen zumindest laut Internetauftritt das Angebot für die Umwelt und die Wiener Bevölkerung so wichtig zu sein scheint, diese Worte nicht selbst beherzigt, die KollegInnen von Anfang an klar informiert und mit ihnen gemeinsam und respektvoll beraten hat, wie man die Herausforderungen im Zuge von Umstrukturierungen und korrekte Anstellungsverhältnisse für alle zufriedenstellend lösen könnte?
Ich frage mich, warum die Kommunikation über faire Arbeitsbedingungen selbst von der Stadtregierung und ihren politische Verantwortlichen für diesen Bereich verweigert wird, wenn im Regierungsübereinkommen 2010 zum Punkt Personal folgendes vereinbart wurde:
"Die Stadt Wien bekennt sich als Arbeitgeberin zu einer Kultur der Fairness, der Gleichstellung und der sozialen Verantwortung. Als größte Arbeitgeberin in Österreich hat die Stadt Wien eine enorme Bedeutung für Arbeit und Soziales in der Stadt und trägt als öffentliche Dienstgeberin eine dementsprechende soziale Verantwortung. Es geht um angemessene Entlohnung, gute Arbeitsbedingungen, gerechte Leistungsabgeltung und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. (...) Wien bekennt sich zur strikten Einhaltung aller arbeits- und sozialrechtlichen Vorschriften und Standards. (...) Wir bekennen uns zu einem solidarischen, demokratischen und konstruktiven Dialog zwischen ArbeitnehmerInnen und Arbeitgeberin."
(zitiert aus der Homepage der Stadt Wien).
Alles Schall und Rauch?!
Es geht um 31 AbfallberaterInnen, die "nur" ein faires Dienstverhältnis zur Stadt Wien haben möchten - 31 KollegInnen von 70.000 Beschäftigten in der Stadt Wien. Ist das wirklich nicht leistbar oder ist das lediglich eine Machtdemonstration gegen Menschen, welche sich organisieren und für ihre Rechte eintreten möchten? Wenn ja, dann erinnert mich das an Verhältnisse aus dem 19. Jahrhundert ...
Ich habe die KollegInnen kennen gelernt und ihr Engagement und Herz für ihre Tätigkeit ist ehrlich und authentisch! Würde man ihnen entgegen kommen, könnte man sicher auch gemeinsame und faire Lösungen für alle erzielen!
Ich möchte nicht, dass sie selbst zum Wegwerfartikel werden, denn sie haben sich Respekt und Anerkennung für ihre Arbeit mehr als verdient!

Aufruf zur Solidarität!

Wir als Gewerkschaft und GewerkschafterInnen können und wollen diese Situation nicht einfach so hinnehmen, denn die Forderung nach korrekten und vor allem fairen Beschäftigungsverhältnissen ist nicht nur in diesem Fall gerechtfertigt, sonder auch Gebot im gewerkschaftlichen Kampf gegen prekäre Beschäftigung!
Daher bitten wir Euch alle um Eure Unterstützung für die AbfallberaterInnen von Wien in ihrem berechtigten Kampf um faire Bedingungen:
  • Like it: Initiative auf Facebook unterstützen
  • Online-Petition an Umweltstadträtin Ulli SimaJetzt unterschreiben
    Die Initiative für faire und rechtskonforme Arbeitsbedingungen bei der MA 48
  • Schreibt eine Unterstützungs- bzw. Solidaritätsbotschaft an die KollegInnen der Abfallberatung: abfallberatung@gmail.com
  • Verbreitet die Information über die prekären Arbeitsbedingungen in Eurem Umfeld!
  • Sprecht KollegInnen der MA 48, wenn sie bei Euch den Müll entleeren oder Ihr sie auf der Straße trefft oder sogar kennt darauf an, um die Botschaft zu verbreiten - vielleicht geht es ihnen ja ähnlich!
  • Mailt uns Eure Erlebnisse bzw. Eure Gedanken, die Euch selbst im Zusammenhang mit dem Thema berühren: christine.rudolf@kiv.at.
Weitere Information:
Info der Arbeiterkammer zu den Themen Freie Dienst-/ WerkvertragsnehmerInnen, Sozialversicherung, Steuerrecht.
Schwerpunkt Umgehungsverträge: Artikel auf der Seite der Zeitschrift "Arbeit und Wirtschaft" (herausgegeben von AK und ÖGB).

Medienberichte:
NEWS.AT: Artikel vom 3. Juli 2012