BERICHT VOM AKTIONSTAG, 30.7.2012

Wir sind laut, kreativ und auf der Straße!

Aktionstag mit PrekärKasperl, brasilianischer Percussion und Lesung


Im Countdown bis zum Auslaufen unserer Werkverträge mit Ende Juli 2012 als AbfallberaterInnen mit Umgehungsverträgen bei der Stadt Wien haben wir am 30. Juli einen Aktionstag gestaltet. Mit verschiedenen Programmpunkten wollten wir den Kern unserer Tätigkeiten als AbfallberaterInnen vermitteln und haben Tipps und Tricks zu Müllvermeidung und Mülltrennung zum Besten gegeben. Zudem stand selbstverständlich auch unsere prekäre Lage nach jahrelanger Scheinselbständigkeit bei der Stadt Wien und unser daraus resultierender Arbeitskampf für faire und rechtskonforme Arbeitsverhältnisse im Fokus unserer ganztägigen Aktivitäten.

Schon während wir mit dem Aufbau unseres Infostandes vor dem Museumsquartier an der Ecke zur Maria Hilfe Straße beschäftigt waren, sprachen uns PassantInnen an, und die erste JournalistInnen baten um Interviews. Ein reges Interesse für unseren auffälligen Infostand, die ansprechenden Programmpunkte und die dabei vermittelten Inhalte riss den ganzen Tag über nicht ab. Durch Schilderungen über unsere eigene Arbeitssituation, unsere Selbstorganisierung und unsere Forderungen kamen wir auch immer wieder mit PassantInnen ins Gespräch über ihre eigenen Erfahrungen und Missstände am Arbeitsplatz und ernteten eine Menge Solidaritätsbekundungen. Aber nicht nur Erwachsene waren interessiert.

Gleich zu Beginn konnten wir uns über den Besuch einer rund zwanzigköpfigen Kindergruppe freuen, die  gekommen war, um den Müllkasperl – unseren ersten Programmpunkt am Aktionstag – zu erleben. Nach einem kurzen Mülltrennspiel, bei dem nach einer einführenden Erläuterung durch einen Abfallberater, alle Kinder selbst ausprobieren konnten, Müll in die richtige Altstoffsammelbox zu sortieren, tauchten allmählich Kasperl und Pezi auf. Insgesamt spielten wir am Aktionstag dreimal unser selbsgeschriebenes PrekärKasperl-Stück und brachten Kinder wie Erwachsene zum Schmunzeln – auch über unsere bisherigen Erlebnisse im Arbeitskampf.

Mit einer Lesung aus dem eben erschienen Buch „Der weite Weg zum Wasserspender“ von unserem Kollegen, dem Abfallberater Florian Illichmann-Rajchl, kamen erneut prekäre Arbeitsverhältnisse aufs Tapet. In seinem Roman beschreibt der Autor am Beispiel eines schlecht bezahlten Jobs in einer Medienagentur, was Arbeiten bedeutet, wenn der Mitarbeiter nicht zählt.

Ein besonderer Publikumsmagnet am Nachmittag war eine Percussion der Gruppe Novo Toque, die mit maracatu-Rhytmen aus Brasilien begeisterte. Auch bei diesem Auftritt waren AbfallberaterInnen selbst involviert uns informierten in kurzen Pausen zwischendurch über den Anlass ihres Auftritts am Aktionstag der Initiative Abfallberatung.

Insgesamt können wir von einem erfolgreichen Tag sprechen, in den wir unsere fachlichen, kommunikativen und kreativen Kompetenzen gesteckt haben. Wir konnten allein an diesem Tag 508 weitere Unterschriften für unsere Petition an Umweltstadträtin Ulli Sima sammeln, standen den ganzen Tag für Fragen zur Verfügung und sind mit unseren Anliegen – seien es Müllvermeidung und -trennung, seien es unsere Forderungen im Arbeitskampf mit der Stadt Wien – auf viele weitere interessierte Ohren gestoßen.


(Bericht der Initiative Abfallberatung Wien vom Aktionstag am 30. Juli 2012)

Video vom Aktionstag

Fotos vom Aktionstag (facebook)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen